Bedienungshilfen

Verleihung des Ehrenbürgerrechtes

Das Ehrenbürgerrecht wird von der Stadt Treuchtlingen lebenden Personen verliehen, die sich um die Entwicklung der Stadt zum Wohl der Bürger verdient gemacht haben. Es ist die höchste Auszeichnung, die die Stadt zu vergeben hat.

Die Ehrenbürger von Treuchtlingen

Richard Zäh: Verleihung 2020

 

Laudatio von Ersten Bürgermeister Werner Baum am 23.04.2020:

"Lieber Richard, liebe Luise,
liebe Angehörige der Familie Zäh,

ich darf Sie alle sehr herzlich heute hier in der Stadthalle Treuchtlingen, auch im Auftrag des gesamten Stadtrates, zu einer ganz besonderen Ehrung von Richard Zäh begrüßen.

Vor der eigentlichen Ehrung möchte ich jedoch noch einige persönliche Worte an Sie richten.

Lassen Sie uns ein wenig zurückblicken:

Um den Betrieb seiner Familie weiterzuführen, besuchte Richard die Bauernschule in Herrsching am Ammersee, die er 1973 als Landwirtschaftsmeister abschloss.

Bereits drei Jahre zuvor (1970) hat er den Hof seines Vaters Adolf übernommen und trat ein paar Jahre später auch politisch in seine Fußstapfen. Richard ist bereits seit 1978, also seit 42 Jahren, Stadtratsmitglied. Seit 36 Jahren (1984) vertritt er als Kreisrat die Interessen unserer Stadt und des Landkreises gleichermaßen.

Von 1996 bis 2002 (6 Jahre) war Richard Dritter Bürgermeister und seit 2002 ist er Zweiter Bürgermeister der Stadt Treuchtlingen. Als Ortssprecher von Dietfurt fungierte er von 1978 bis 2014, also 36 Jahre. Außerdem war er von 1988 bis 2007 stellvertretender Kreisvorsitzender der CSU.

Welch hohes Ansehen er in Stadt und Land genießt, insbesondere jedoch bei der ländlichen Bevölkerung, zeigen seine jeweils hohen Stimmergebnisse bei den Stadtrats- und Kreistagswahlen.

Neben seinem politischen Engagement war und ist Richard in zahlreichen weiteren Funktionen aktiv.

Er war 22 Jahre Kreisvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Landwirtschaft der CSU und von 1978 bis 2015 Mitglied im Aufsichtsrat der Raiffeisenbank Weißenburg bzw. Weißenburg-Gunzenhausen, wovon er 15 Jahre (1983 - 1998) Aufsichtsratsvorsitzender war.

Von 1984 bis 2004 war er ehrenamtlicher Richter beim Verwaltungsgericht Ansbach.

Richard ist seit seiner Jungend nicht nur politisch engagiert, sondern natürlich auch in den Dietfurter Vereinen.

Er war 30 Jahre (1973 – 2003) Kassier bei der Freiwilligen Feuerwehr Dietfurt, 30 Jahre Mitglied im Posaunenchor und 26 Jahre Kirchenvorstand in Dietfurt. Als Kirchenvorstand war er maßgeblich am Um- und Ausbau der Pfarrscheune für kirchengemeindliche Zwecke und für die Landjugend beteiligt.

Die Vielzahl der zeitraubenden Ehrenämter zeigen seine Pflichtauffassung gegenüber Staat und Gesellschaft. Er ist nicht nur Landwirt mit Leib und Seele, sondern stellt auch sein Wissen und seine Kraft dem Bauernverband zur Verfügung. Er ist seit 1977 Ortsobmann und gehört dem Kreisvorstand an.

Trotz dieser vielen Ämter war und ist ihm seine Familie immer sehr wichtig. Noch in diesem Jahr feiern er und seine Frau Luise, 50. Hochzeitstag. Seine drei Kinder Ute, Sabine und Jochen, sowie die vier Enkelkinder Maximilian, Bastian, Katharina und Magdalena sind sein ganzer Stolz.

Für sein Engagement und seinen Einsatz erhielt er zahlreiche Auszeichnungen:

1996 erhielt er bereits den Silbernen Ehrenring der Stadt Treuchtlingen für seine 18-jährige Tätigkeit als Stadtrat und er ist Ehrenmitglied der Treuchtlinger CSU.

2007 erhielt er die kommunale Verdienstmedaille in Bronze. Im Jahr 2016 wurde Richard Zäh für seinen unermüdlichen Einsatz für seine Heimatstadt Treuchtlingen und sein Heimatdorf Dietfurt mit einer weiteren Auszeichnung geehrt und gewürdigt - dem Goldenen Ehrenring der Stadt Treuchtlingen.

Bereits ein Jahr später, also 2017 zeichnete Innenminister Joachim Herrmann, Richard Zäh mit dem Bundesverdienstkreuz, der höchsten Auszeichnung Deutschlands, aus.

Ihm wurde die Silberne Ehrennadel des Genossenschaftsverbandes Bayern, die Silberne Ehrennadel des Bayerischen Bauernverbandes, das Ehrenabzeichen der Feuerwehr und die Ehrennadel in Silber des Gartenbauvereins Mittelfranken verliehen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Und heute, als eine meiner letzten Tätigkeiten als Erster Bürgermeister der Stadt Treuchtlingen darf ich an Dich, lieber Richard, die höchste Ehrung die die Stadt Treuchtlingen zu vergeben hat, die Ernennung zum Ehrenbürger mit der Aushändigung dieser Urkunde, aussprechen. Das Ehrenbürgerrecht wird nur an lebende Personen verliehen, die sich um die Entwicklung der Stadt zum Wohl der Bürgerinnen und Bürger verdient gemacht haben.

 

Lieber Richard,

diese Ehrung, die höchste, die unsere Stadt zu vergeben hat, hat der Stadtrat in seiner letzten Sitzung am 02. April 2020 einstimmig beschlossen.

Ich darf Dir persönlich und im Auftrag aller Kolleginnen und Kollegen dazu herzlich gratulieren.

Ich möchte Dir aber auch Danke sagen, für eine sehr engagierte und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Schon in der Zeit von 1984 – 2008 als wir beide als Stadträte tätig waren, aber vor allem ab 2008 als „mein“ 2. Bürgermeister.

Du hast Dich immer trotz mancher gesundheitlicher Beeinträchtigungen, gerade in den letzten beiden Jahren, mit voller Tatkraft für unsere Stadt und die Gesamtgemeinde eingesetzt.

Ich konnte mich auf Deine Arbeit bzw. Vertretung immer zu 100% verlassen. Parteipolitik spielte hierbei nie eine Rolle.

Dafür danke ich Dir und wünsche Dir weiterhin viel Kraft, die kannst Du sicher am Besten brauchen.

Lieber Richard, hiermit darf ich Dich zum Ehrenbürger der Stadt Treuchtlingen ernennen und Dir die Urkunde überreichen.

Nochmals Herzlichen Glückwunsch!"

Hans Döbler: Verleihung 1985

 

In seiner 28-jährigen Dienstzeit hat Bürgermeister Hans Döbler die Entwicklung Treuchtlingens zu einem modernen Gemeinwesen geprägt. Als der Zug der Eisenbahn für die Stadt abgefahren war, versuchte er, mit dem Konzept einer Betriebs-, Wohn- und Erholungsgemeinde den Anschluss an die Zukunft zu gewinnen. Mit der ihm eigenen Zähigkeit, Entschlussfreude und Beredsamkeit verfolgte er diese Ziel fast drei Jahrzehnte lang. Viele Wegbegleiter unterstützten ihn dabei.

Es begann am 1. Mai 1955. Der damalige Stadtkämmerer Döbler saß zusammen mit seiner Frau auf der "Ziegelhütte". Da traten einige Treuchtlinger SPD-Leute auf ihn zu und wollten ihn gewinnen, als Bürgermeister zu kandidieren, „Treuchtlingen braucht einen jungen Bürgermeister“, war ihr Argument. Die Entscheidung, dieses Angebot anzunehmen, fiel nicht leicht. Manches Gespräch - auch im Familienkreis - wurde geführt. Dann war der damals 41jährige bereit, die Herausforderung anzunehmen, sich für seine Heimatstadt zu engagieren.

Der zumindest aus der Sicht der beiden 72-jährigen Gegenkandidaten Fritz Korn (FDP) und Karl Lebenberger (CSU) junge Mann hatte schon eine Lebens- und Berufserfahrung hinter sich, die ihn die Verantwortung nicht scheuen ließ. Der Treuchtlinger Eisenbahnersohn wurde während der Ersten Weltkrieges geboren; seine Jugend war geprägt von der Not der Nachkriegszeit, später dann von Massenarbeitslosigkeit und Weltwirtschaftskrise. Die Hoffnungen des Dritten Reiches mündeten in Arbeitsdienst, Wehrpflicht und Kriegsdienst. Der Res.-Offizier Döbler entkam verwundet der Hölle von Stalingrad. Der Zusammenbruch Deutschlands war für die enttäuschte Generation schwer zu überwinden.

Nach dem Krieg fing der gelernte Sparkassenbeamte Hans Döbler dann klein im Treuchtlinger Rathaus an. Dabei gewann er einen Einblick in fast alle Sparten der damals noch recht unkompliziert aufgebauten Verwaltung. 1951 wurde er nach dem plötzlichen Tod des Stadtkämmerers Geuder dessen Nachfolger. Er erinnerte sich noch bei seiner Verabschiedung an die mühevolle Einarbeitungszeit und wie dornenvoll der Weg der Finanzierung der ersten Nachkriegsprojekte in der kriegszerstörten Stadt war.

Hans Döbler kannte sich aus im Treuchtlinger Rathaus und wusste Bescheid über die Probleme der Stadt, als er 1956 Wahl zum Bürgermeister kandidierte. In einer sachlichen Wahlflugschrift legte der junge Kandidat sein Programm vor. Das meiste davon gilt selbst heute noch: An erster Stelle stand die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen, dann folgten die Förderung des Wohnungsbaus, das Straßenbauprogramm, die Beseitigung der Schulraumnot, Freibad, Spiel- und Sportplätze, der Bau eines Altersheimes, die Verschönerung des Stadtbildes, der Ausbau des Fremdenverkehrs und manches andere.

Diese Zielsetzungen und ein sachlich geführter Wahlkampf kamen offensichtlich bei der Bevölkerung an. Am 18. März 1956 erhielt Hans Döbler 78 Prozent der Stimmen.

Dass auf die erste Wahl 28 Jahre Bürgermeisteramt folgen sollten, konnte damals wohl niemand vorausahnen. In den Nachbarstädten kamen und gingen die Bürgermeister, in Treuchtlingen blieb Hans Döbler am Ruder. Viermal wurde er eindeutig wiedergewählt, dreimal ohne, das letzte Mal mit einem Gegenkandidaten. Die Treuchtlinger - und mit ihnen auch die Bewohner der Ortsteile - wussten, was sie an "ihrem" Döbler hatten; auch wenn sie manchmal über ihn schimpften, weil er wieder etwas Neues anpackte.

Doch zurück zum Ausgangspunkt 1956. Eine der ersten Amtshandlungen des neuen Bürgermeisters war die Wiedereröffnung der im Krieg zerbombten "großen" Bahnunterführung bei der katholischen Kirche. Die Ausgangslage war denkbar schlecht. "Eigentlich ist das wirtschaftliche Fundament der Stadt schon schwer geschädigt worden, als man 1938 die Juden aus Treuchtlingen vertrieb", so Hans Döbler etwas nachdenklich. Dann kamen die verheerenden Bomben des Zweiten Weltkriegs. Kaum waren deren Spuren einigermaßen getilgt, wurden nach und nach die Arbeitsplätze bei der Eisenbahn abgebaut. Durch die - nicht immer unproblematische - Neuansiedlung von Industriebetrieben wurde dieser Arbeitsplatzverlust weitgehend ausgeglichen.

Dann kam die Landkreisreform. Treuchtlingen, bisher größte Stadt des Landkreises Weißenburg und von den früheren Landräten daher auch gut bedacht, war plötzlich die Nummer drei im Großlandkreis. Für Hans Döbler waren die Jahre nach der Kreisreform die schwerste Zeit seiner Bürgermeisterlaufbahn.

An andere Zeiten und Projekte erinnerte er sich lieber: Den Bau der Promenadenbrücke nannte er von allen Maßnahmen seiner Amtszeit als die hervorstehendeste, gerade weil er zunächst bei manchen Bürgern auf Unverständnis traf. Von den 1,1 Millionen Mark, die das Bauwerk 1966 kostete, hatte die Stadt nur 100 000 Mark zu tragen. Das war der Finanzierungsstil Hans Döblers: viele Pläne in der Schublade, die sich in sein Gesamtkonzept einordnen, und dann zupacken, wenn die Finanzierung günstig ist. Auch die Altstadtsanierung ist ein solches Beispiel seiner langfristig geplanten und dann schnell zugreifenden Handlungsweise. Oder die Grundstückspolitik, die der Stadt Entwicklungsmöglichkeiten gesichert hat. Im Rückblick beschreibt Hans Döbler seine Amtszeit als "sachbezogene Arbeit für den Bürger". Über Parteigrenzen hinweg hatte er immer ein gutes Verhältnis zu den Politikern aller Ebenen angestrebt. Hans Döbler erinnerte sich an die Besuche von Richard Stücklen zu dessen Zeit als Postminister der Adenauer-Regierung und später dann als Bundestagspräsident, an Gäste wie den Ministerpräsidenten Goppel, den Landtagspräsidenten Hanauer, an die heimischen Landtagsabgeordneten und Landräte, die durchwegs der anderen Parteifarbe angehörten. Sie kamen recht gut miteinander zurecht, und für Treuchtlingen sprang manches dabei heraus.

Der Führungsstil Hans Döblers war selbstbewusst; er gab sich energisch, manchmal auch grantig, wenn er nicht schnell genug verstanden wurde. Aber letztlich war er immer auf Ausgleich bedacht. Er liebte die Konfrontation nicht, aber er scheute sie auch nicht. Seiner bemerkenswerten Integrationsfähigkeit war es zu verdanken, dass sich der Stadtrat in allen Wahlperioden über Parteigrenzen hinweg zu einer gemeinsamen Arbeit für Treuchtlingen zusammengefunden hat. Die Begeisterungsfähigkeit Hans Döblers für die Treuchtlinger Sache war ansteckend.

Anlässlich seines 70. Geburtstages ernannte ihn der Stadtrat am 22. Februar 1985 zum Ehrenbürger der Stadt Treuchtlingen. Nach seinem Tod 1999 wurde die Promenade in Bürgermeister-Döbler-Allee umbenannt.

Quelle: Treuchtlinger Heimatbuch

Josef Lidl: Verleihung 1973

 

Josef Lidl wurde in der damaligen „Österreichisch-Ungarischen Monarchie“ in Mährisch-Trübau geboren. Er studierte in Prag und erhielt 1936 seine erste Anstellung am Realgymnasium in Neutitschein. 1939 wurde er in seine Heimatstadt versetzt und im Januar 1940 zum Wehrdienst eingezogen.

Schon in der Gymnasialzeit wurde der Grundstein für seine musikalische und künstlerische Tätigkeit gelegt. In seiner Heimat betätigte er sich im musikalischen und volkskundlichen Bereich und engagierte sich der Wiederbelebung der alten Schönhengster Tracht.

Als Soldat konnte er des öfteren in Frankreich, Ostpreußen und Russland zeichnen. In der Kriegsgefangenschaft bewahrte ihn das Zeichnen vor allzu schlechter Behandlung. Sowohl die Russen als auch die Tschechen beschäftigten ihn als Porträtisten.

Aus tschechischer Gefangenschaft wurde Josef Lidl im Herbst 1946 entlassen. Seine Frau war bereits im Februar mit dem ersten Flüchtlingstransport auf der Wülzburg gelandet. Nach einem Umweg über Weimersheim kam die Lehrerin nach Treuchtlingen. Das Erleben der großartigen Umgebung in Freiheit und die Hilfsbereitschaft einiger Treuchtlinger Familien wurden beiden nach der brutalen Vertreibung und der Gefangenschaft zu unvergesslichen Eindrücken. Diese verursachten wohl die spätere ehrenamtliche Aktivität in Treuchtlingen.

Ostern 1947 setzte Josef Lidl seine berufliche Laufbahn als Kunst- und Musikerzieher an der Oberrealschule mit Gymnasium in Weißenburg fort und übersiedelte 1950 dorthin. Mit Fahrrad und Skizzenblock ausgerüstet „eroberte“ er die neue Heimat, und es entstanden die ersten Zeichnungen im Altmühltal.

Lidl beschränkte seine musikalische Tätigkeit nicht auf den Bereich der Schule. Unter seiner Leitung wurden die Konzerte des Weißenburger Kammerorchesters zu eindrucksvollen musikalischen Ereignissen in Weißenburg, Treuchtlingen und benachbarten Orten. In einem Streichquartett, das viele Veranstaltungen festlich umrahmte, spielte Josef Lidl Violoncello und seine Frau Bratsche.

Als der Gedanke an ein Heimatmuseum aufkam, dachte man an Josef Lidl. Er sagte sofort zu und begann mit einigen freiwilligen Helfern, für das Museum geeignete Dinge zusammenzutragen.

Innerhalb von etwa drei Jahren hatte er, unterstützt von einigen Mitarbeitern, das Treuchtlinger Heimatmuseum in der ehemaligen Bortenfabrik Winter aufgebaut, wobei er „unscheinbares Gerümpel“ oft selbst in mühevoller Arbeit ausstellungsreif gemacht hatte.

Im Rahmen der Eröffnungsfeier des Heimatmuseums 1973 überreichte Bürgermeister Hans Döbler dem Initiator und Schöpfer des Heimatmuseums im Beisein von zahlreichen geladenen Gästen die Ehrenbürgerurkunde. Einstimmig hat der Stadtrat beschlossen, Josef Lidl mit der höchsten Würde auszuzeichnen, die die Stadt Treuchtlingen zu vergeben hat.

Josef Lidl sammelte weiter und erreichte, dass das hinter dem Museum liegende Haus des früheren jüdischen Pferdehändlers Lang nicht abgebrochen, sondern einschließlich Stall renoviert wurde.

Im Rahmen des „Fränkischen Sommers 1980 wurde es als zweites Museumsgebäude der Öffentlichkeit übergeben.

Trotz seiner zeitraubenden Tätigkeit des Sammelns findet Josef Lidl Zeit für Veröffentlichungen.

Es ist unmöglich, all die Titel der Faltblätter, Jahrbücher, Broschüren und Bücher aufzuzählen, die er gezeichnet und meist auch getextet hat.

Anläßlich seines 70. Geburtstages, im Jahr 1981, verlieh ihm der Stadtrat Treuchtlingen „im Hinblick auf den außergewöhnlichen und uneigennützigen Einsatz für die Allgemeinheit“ den Goldenen Ehrenring der Stadt.

Julius Kelber: Verleihung 1965

 

Im Pfarrhaus von Aufseß erblickte er am 18. Februar 1900 das Licht der Welt. Kindheit und Schullaufbahn schloss er mit dem Abitur am Melanchthon-Gymnasium in Nürnberg ab.

Im November musste er dann an die Westfront ziehen. Nach Kriegsschluß ergriff er das Studium der Theologie (Erlangen und Leipzig) und nahm 1922 als Jugendpfarrer in Bayreuth seine erste seelsorgerische Tätigkeit auf.

Von 1924 bis 1933 war er im Landesverband der Inneren Mission als Zweiter Pfarrer tätig und gleichzeitig Hausgeistlicher des Juliusspitals.

Über die Pfarrstellen von Krögelstein und Ulsenheim kam er am 10. Mai 1939 nach Treuchtlingen. Seine religiöse Einstellung und berufliche Hingabe brachten ihn bald in konflikt mit der Kreisleitung der NSDAP. 1940 wurde ihm die Ausübung des Religionsunterrichts an den Treuchtlinger Schulen verboten. Seine weitverbreitete „Stalingradpredigt“ nahm die Gestapo zum Anlass, ihn am 16. Mai 1944 „für immer“ aus Treuchtlingen auszuweisen. Vorübergehend im Warthegau bei den dorthin umgesiedelten Wolhyniendeutschen tätig, wurde er schließlich von seiner Kirchenbehörde in die verwaiste Gemeinde Plech beordert, wo er unter Polizeiaufsicht stand, während seine Frau in Treuchtlingen blieb.

Mit dem Einzug der Amerikaner am 24. April 1945 in Treuchtlingen war für den standhaften Pfarrer das „Exil für immer“ zu Ende. Sofort machte er sich an den Wiederaufbau. Als politisch und religiös Verfolgter hatte er Zutritt zur amerikanischen Militärregierung und zu den Behörden und begann eine umfangreiche Bautätigkeit. Die Kriegsschäden an Kirche, Pfarrhaus und Vereinshaus wurden zum Teil mit eigenem körperlichen Einsatz beseitigt und das Evangelische Siedlungswerk in Treuchtlingen gegründet. Dieses errichtete allein von 1950 bis 1960 65 Wohnungen in 17 neu gebauten Häusern. In der Bahnhofsmission wurden 1945 bis 1950 Heimkehrer und Flüchtlingstransporte mit 150 000 Menschen betreut.

Am 18. April 1946 wurde eine Versehrtenwerkstätte mit Filialen in Pappenheim, Solnhofen und Langenaltheim eingerichtet und am 31. Oktober 1954 die „Stadtmission Treuchtlingen“ gegründet. Pfarrer Kelber vernachlässigte trotz dieser selbst auferlegten Aufgaben aber in keiner Weise seine seelsorgerische Tätigkeit, im Gegenteil: Als erstes Druck-Erzeugnis durfte er unter amerikanischer Lizenz 1946 die „Kirchlichen Nachrichten“ monatlich erscheinen lassen. Am 28. Juli 1963 das evangelische Gemeindehaus am Patrich eingeweiht. Seine besondere Fürsorge galt den Heimatvertriebenen, Auslandsdeutschen und Flüchtlingen. Neben der eigenen Gemeinde betreute er freiwillig die Gehörlosengemeinde zwischen Ingolstadt und Ansbach 25 Jahre lang mit regelmäßigen Gottesdiensten, Trauungen, Taufen und Beerdigungen. Es ist erstaunlich und fast unbegreiflich, woher Pfarrer Kelber die Zeit und Kraft nahm, in einer solchen Weise zu wirken. Mit besonderer Freude erfüllte es ihn daher, daß ihm der Stadtrat von Treuchtlingen am 14. Mai 1965 das Ehrenbürgerrecht verlieh und ein Jahr später Regierungspräsident Burkhardt ihn mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse auszeichnete.

Ehrenbürger Pfarrer Julius Kelber lebte seit dem 15. Juni 1965 in Nürnberg und verstarb am 27. März 1987. Es verging jedoch kein besonderes Ereignis in Treuchtlingen, an dem er nicht persönlich Anteil nahm.

Johann Ott: Verleihung 1965

 

Johann Ott wurde am 22. Oktober 1879 in Windsbach geboren. Nach Schul- und Lehrzeit trat er als 23-jähriger in den Dienst der Eisenbahn und war dort Mitgründer einer Baugenossenschaft für das Verkehrspersonal. Nach seiner Versetzung nach Treuchtlingen 1911 gründete er die hiesige Baugenossenschaft.

Im Ersten Weltkrieg wurde er als Feldeisenbahner in Rumänien eingesetzt. Glücklich heimgekehrt zog er als SPD-Mitglied in den Stadtrat ein und war hier Fraktionsführer bis zur Machtergreifung der Nazis. Nebenbei gründete er den hiesigen Verein „Eigenheim“, der allein bis zur Weltwirtschaftskrise 23 Häuser errichtete.

Auch die neuen Machthaber flößten ihn keine Furcht ein. Noch am 28. März 1933 sprach er im Rathaus die mannhaften Worte: „Wir Sozialdemokraten haben unter der kaiserlichen Regierung unsere Pflicht dem Staat gegenüber erfüllt und werden dies auch unter der jetzigen Regierung tun.“ Dieser aufrechte Treuchtlinger Bürger wurde aus dem öffentlichen Leben verbannt und „dienstlich strafversetzt“. Beim Zusammenbruch trat der Oberlokführer mit 66 Jahren in den Ruhestand. Die gewonnene Freizeit schenkte er seinen Mitmenschen: Er widmete seine ganze Kraft der Beseitigung der Wohnungsnot und dem Wiederaufbau. Dank seiner Mitarbeit konnte das Evangelische Siedlungswerk nach 1945 allein 45 Wohnungen bauen.

Die Mitbürger erkannten, was sie an dem inzwischen 70-jährigen hatten, und beriefen ihn abermals in den Stadtrat (1953 - 1960) und in den Kreistag (1952 – 1956).

Am 24. Februar 1958 heftete ihm Landrat Dr. Staudinger das Bundesverdienstkreuz an das Revers und überreichte dem fast 80-jährigen die Ehrenurkunde mit der Dankadresse des Landkreises.

Lange Zeit vorher hatten ihn seine beiden liebsten Vereine, „Naturfreunde“ und „Alpenverein“, deren Mitgründer er war, zu ihrem Ehrenmitglied gemacht.

Einstimmig beschloss der Stadtrat am 29. April 1965, ihn zum Ehrenbürger von Treuchtlingen zu ernennen.

Am 22. Januar 1968 wurde der Ehrenbürger Johann Ott zu Grabe getragen. Er war nur ein einfacher, bescheidener Eisenbahner, aber ein Mann, der nie an sich dachte, sondern nur bemüht war, die Not seiner Mitmenschen zu sehen und zu lindern.

Spätere Geschlechter werden an ihn erinnert, wenn sie den Johann-Ott-Weg gehen, der durch eine der schönsten Wohngegenden Treuchtlingens führt, nahe am Wald vorbei, den er so sehr geliebt hat.

Johann Lindner: Verleihung 1951

Johann Lindner wurde am 28. Februar 1873 als Sohn eines Hauptmanns in der damaligen Festung Ingolstadt geboren. Nach Beendigung der Schullaufbahn, in der auch ein Semester am Polytechnikum enthalten war, begann er als „Diätar“ den Dienst bei der Eisenbahn in Laaber.

Am 1. November 1917 kam er als Bahnverwalter nach Treuchtlingen. Die Erfahrung für die neue Stelle, deren Zugverkehr sich durch die Kriegstransporte verdreifacht hatte, hatte er unter anderem auf den Bahnhöfen in Regensburg und Passau erworben. Mit peinlichster Gewissenhaftigkeit erfüllte Lindner die Aufgaben als Fahrdienstleiter im Tag- und Nachtdienst und wurde deshalb sogar mit dem König–Ludwig–Orden ausgezeichnet. Allerdings ruinierte er dabei seine Gesundheit. Zwar konnte er noch am 16. April 1931 sein 40-jähriges Eisenbahner-Dienstjubiläum begehen, aber schon im Jahr darauf erfolgte für den Oberinspektor die Versetzung in den Ruhestand. Der erst 58jährige litt an schweren Nervenstörungen und chronischer Schlaflosigkeit.

Angeregt durch den damaligen evangelischen Pfarrer Bauernfeind, widmete er seit seiner Versetzung nach Treuchtlingen seine ganze Freizeit der Erforschung der Treuchtlinger Geschichte. Bald war er in den Archiven von Nürnberg bis Bamberg, von Neuburg bis München eine bekannte Persönlichkeit. Mit Schreibzeug und Kamera durchstreifte er die Stadt und ihre weitere Umgebung und verstand es, in zahlreichen Lichtbildervorträgen die Zuhörer zu packen. Die wissenschaftlichen Ergebnisse seiner Forschungen erschienen nicht nur als volkstümliche Artikel in den Zeitungen, sondern auch als begehrte Beiträge in den einschlägigen Fachzeitschriften des ganzen deutschsprachigen Raumes.

Ein Jahr vor seinem Tod erlebte er eine doppelte Ehrung: Zum einen gelang es ihm, die Ergebnisse seiner Lebensarbeit in Form des Büchleins „Treuchtlingen in der Vergangenheit“ herauszubringen, welches sofort von den wissenschaftlichen Bibliotheken erworben wurde, zum anderen ernannte ihn der Stadtrat von Treuchtlingen einstimmig zum Ehrenbürger. Am 16. Februar 1952 schloss der zuletzt fast erblindete Mann für immer die Augen.

Es ist ein eigenartiger Zufall, dass der einzige Sohn eines so großen Heimatforschers nicht in der Heimat, sondern in Südamerika seine Zukunft aufbaute. Die wenigsten Treuchtlinger aber wissen, woher die Johann-Lindner-Straße ihren Namen hat.

Heinrich Aurnhammer: Verleihung 1924

Am 21. Juli 1856 erblickte der Fabrikbesitzerssohn im Treuchtlinger Schloß das Licht der Welt.

Nach der Schulausbildung 1875 kam er als Volontär des Fürther Exportfachgeschäfts Daniel Ley nach London. Doch schon im Dezember 1876 holt ihn sein Vater zurück. Er sollte eine kleine bankrotte Bortenfabrik mit neun Arbeitern und einem Lehrling in Weißenburg  übernehmen.

Nach fünf Jahren hatte er den Betrieb so gut saniert, dass die Weißenburger Filiale das Stammhaus in Treuchtlingen unterstützen konnte. Sogar die Märchenschlösser Ludwig II. wurden mit den Erzeugnissen der Fabrik ausgestattet.

1909, nach dem Tod seines Bruders Jacob, übernahm er als alleiniger Besitzer auch den Treuchtlinger Betrieb, der bis dahin im Schloss untergebracht war. Er steckte ein Riesen Vermögen in die Restaurierung des Schlosses, aus welchem er den Fabrikationsbetrieb nach Weißenburg verlegte. In Treuchtlingen brachte er dafür die Gesamtverwaltung des aufblühenden Unternehmens unter.

1911 wurde Heinrich Aurnhammer zum königlichen Kommerzienrat ernannt.

Während des Ersten Weltkrieges stellte die Firma wichtige U-Boot-Teile her, denn Heinrich hatte einen Draht erfunden, der das knapp gewordene Kupfer ersetzte.

Aus Anlass des 150-jährigen Jubiläums der Firma stiftete er seiner Heimatstadt 15.000 Mark und legt mit zwei Stiftungen zu je 5.000 Mark den Grundstein für ein Altersheim.

Am 29. April 1924 wurde ihm „in dankbarer Anerkennung seiner reichen Spenden und seiner Verdienste als Mitglied der städtischen Körperschaften die Würde eines Ehren­bürgers verliehen“.

Von 1897 bis 1912 war er Mitglied des Gemeindecollegiums und von 1912 bis 1917 Mit­glied des Stadtrats.

Nach mehreren Schlaganfällen starb er drei Tage vor seinem siebzigsten Geburtstag. In einer außerordentlichen Gedenkstunde des Stadtrats wurde die damalige Schloßstraße in Heinrich-Aurnhammer-Straße umbenannt.

Elkan Naumburg: Verleihung 1921

Elkan Naumburg wurde am 1. Januar 1835 als Sohn des Buchbinders und Schreibwarenhändlers Abraham Naumburg in Treuchtlingen geboren. Der Vater verfügte nicht über die finanziellen Mittel, um dem begabten Knaben eine Ausbildung zu ermöglichen. Der Rat der Gemeinde Treuchtlingen bewilligte daher einen Gulden pro Monat, damit Elkan Naumburg in Fürth eine Banklehre absolvieren konnte.

Mit 15 Jahren wanderte er zusammen mit der Familie seines älteren Bruders Louis Naumburg nach Amerika aus. Während Louis in die Fußstapfen seines Vater trat und Kantor und Lehrer in Philadelphia und Pittsburg wurde, trat Elkan in die Textilfabrik seines Schwagers Simon Frank in Baltimore ein.

1853 ging er nach New York, um dort eine Bekleidungsfirma zu gründen, die bald eine der größten der USA wurde.

1887 gründete er aus Dankbarkeit gegenüber seiner Heimatstadt Treuchtlingen, die ihm den finanziellen Grundstein für seine Ausbildung gelegt hatte, einen Fonds zur Errichtung einer Kinderaufbewahrungsstation in Treuchtlingen.

1893 ging er in den Ruhestand und verließ das Familienunternehmen. Er und sein ältester Sohn Walter gründeten als Partner das Bankhaus E. Naumburg & Co. Nach seinem Harvard-Abschluss 1898 trat auch der jüngere Sohn Georg Washington Naumburg in das Banhkaus ein.

Trotz seiner Bedeutung wurde das Bankhaus Naumburg in dem Wolkenkratzer Wallstreet 14 Ende 1931 an Shields & Co verkauft, wohl im Gefolge der Weltwirtschaftskrise.

1905 begründete er eine neue Reihe von Freiluftkonzerten im Central Park. Er übernahm die kosten für das Open Air, das die New Yorker Times 1916 erstmals als Naumburg Concerts bezeichnete. Die kostenlosen Naumburg Orchestral Concerts gibt es bis heute als Sommerkonzerte, getragen von der Naumburg-Stiftung. 1923 wurde die Konzertmuschel (Naumburg Banshell) im Central Park mit einem riesigen Konzert eröffnet.

Am 12. Dezember 1921 fasste der Treuchtlinger Stadtrat den Beschluss, Naumburg das Ehrenbürgerrecht der Stadt zu verleihen. Die Urkunde gelangte jedoch nie in die Hände des Geehrten. Das bayerische Innenministerium verweigerte die Anerkennung des Titels aufgrund der damaligen Gemeindegesetze, die ein Bürger- und damit ein Ehrenbürgerrecht nicht mehr vorsahen.

1933 wurde das Porträt des Ehrenbürgers im Haus und die Erinnerungstafel über dem Eingang des Kinderheims "aus Gründen der nationalen Jugenderziehung" entfernt. Ausgerechnet die Elkan-Naumburg-Straße erhielt den Namen Adolf-Hitler-Straße.

1945 traf eine amerikanische Fliegerbombe das von ihm gestiftete Kinderheim. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Andenken an Naumburg wieder lebendig. Die ihm ursprünglich gewidmete Straße erhielt ihren alten Namen zurück.

In dem wiederhergestellten Gebäude wurde zunächst die Mittelschule untergebracht, später dann die Krankenhausverwaltung. Heute ist etwa dort der Haupteingang des Krankenhauses.

Friedrich Grahl: Verleihung 1907

Der 1846 in Treuchtlingen geborene Friedrich Grahl war Besitzer einer Seidenband-, Borten- und Tressenfabrik. Sein Name ist unauflöslich mit dem Auf- und Ausbau der jungen Stadt Treuchtlingen verbunden.

Während seiner Amtsführung als Bürgermeister erfolgte die Erhebung der Marktgemeinde zur Stadt (1898). Der Bahnhof wurde durch den Bau der Linie Treuchtlingen – Donauwörth zu einem Eisenbahnknotenpunkt erweitert (1905/1906). Durch den Straßenbau Treuchtlingen – Schambach – Suffersheim der Ort Anschluss an die jetzigen Bundesstraßen 2 und 13.

Friedrich Grahl war bemüht, dass der ehemalige Marktflecken ein städtisches Gesicht bekam: Straßenregulierungen wurden vorgenommen, oberirdische Wasserläufe und Abwassergossen unterirdisch verlegt, Gehsteige angelegt, der Friedhof mit Leichenhalle nach außerhalb der Stadt verlegt, ein Kinderheim gebaut. Sein Hauptverdienst aber liegt wahrscheinlich darin, dass er eine Wasserleitung von Suffersheim nach Treuchtlingen errichten ließ, die heute noch funktioniert.

Am 4. April 1907 legte er sein Amt infolge eines Herzleidens nieder. Der Stadtrat ernannte ihn zum Ehrenbürger.

Noch vor Aushändigung der Urkunde verstarb er am 24. Mai 1907.

Quelle: Heimatbuch Treuchtlingen