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Thermenstadt im Naturpark Altmühltal

Josef Lidl

(22.08.1911 - 15.04.1999)

Josef Lidl wurde in der damaligen „Österreichisch-Ungarischen Monarchie“ in Mährisch-Trübau geboren. Er studierte in Prag und erhielt 1936 seine erste Anstellung am Realgymnasium in Neutitschein. 1939 wurde er in seine Heimatstadt versetzt und im Januar 1940 zum Wehrdienst eingezogen.


Schon in der Gymnasialzeit wurde der Grundstein für seine musikalische und künstlerische Tätigkeit gelegt. In seiner Heimat betätigte er sich im musikalischen und volkskundlichen Bereich und engagierte sich der Wiederbelebung der alten Schönhengster Tracht.


Als Soldat konnte er des öfteren in Frankreich, Ostpreußen und Russland zeichnen. In der Kriegsgefangenschaft bewahrte ihn das Zeichnen vor allzu schlechter Behandlung. Sowohl die Russen als auch die Tschechen beschäftigten ihn als Porträtisten.


Aus tschechischer Gefangenschaft wurde Josef Lidl im Herbst 1946 entlassen. Seine Frau war bereits im Februar mit dem ersten Flüchtlingstransport auf der Wülzburg gelandet. Nach einem Umweg über Weimersheim kam die Lehrerin nach Treuchtlingen. Das Erleben der großartigen Umgebung in Freiheit und die Hilfsbereitschaft einiger Treuchtlinger Familien wurden beiden nach der brutalen Vertreibung und der Gefangenschaft zu unvergesslichen Eindrücken. Diese verursachten wohl die spätere ehrenamtliche Aktivität in Treuchtlingen.


Ostern 1947 setzte Josef Lidl seine berufliche Laufbahn als Kunst- und Musikerzieher an der Oberrealschule mit Gymnasium in Weißenburg fort und übersiedelte 1950 dorthin. Mit Fahrrad und Skizzenblock ausgerüstet „eroberte“ er die neue Heimat, und es entstanden die ersten Zeichnungen im Altmühltal.


Lidl beschränkte seine musikalische Tätigkeit nicht auf den Bereich der Schule. Unter seiner Leitung wurden die Konzerte des Weißenburger Kammerorchesters zu eindrucksvollen musikalischen Ereignissen in Weißenburg, Treuchtlingen und benachbarten Orten. In einem Streichquartett, das viele Veranstaltungen festlich umrahmte, spielte Josef Lidl Violoncello und seine Frau Bratsche.


Als der Gedanke an ein Heimatmuseum aufkam, dachte man an Josef Lidl. Er sagte sofort zu und begann mit einigen freiwilligen Helfern, für das Museum geeignete Dinge zusammenzutragen.

Innerhalb von etwa drei Jahren hatte er, unterstützt von einigen Mitarbeitern, das Treuchtlinger Heimatmuseum in der ehemaligen Bortenfabrik Winter aufgebaut, wobei er „unscheinbares Gerümpel“ oft selbst in mühevoller Arbeit ausstellungsreif gemacht hatte.


Im Rahmen der Eröffnungsfeier des Heimatmuseums 1973 überreichte Bürgermeister Hans Döbler dem Initiator und Schöpfer des Heimatmuseums im Beisein von zahlreichen geladenen Gästen die Ehrenbürgerurkunde. Einstimmig hat der Stadtrat beschlossen, Josef Lidl mit der höchsten Würde auszuzeichnen, die die Stadt Treuchtlingen zu vergeben hat.


Josef Lidl sammelte weiter und erreichte, dass das hinter dem Museum liegende Haus des früheren jüdischen Pferdehändlers Lang nicht abgebrochen, sondern einschließlich Stall renoviert wurde.

Im Rahmen des „Fränkischen Sommers 1980 wurde es als zweites Museumsgebäude der Öffentlichkeit übergeben.


Trotz seiner zeitraubenden Tätigkeit des Sammelns findet Josef Lidl Zeit für Veröffentlichungen.

Es ist unmöglich, all die Titel der Faltblätter, Jahrbücher, Broschüren und Bücher aufzuzählen, die er gezeichnet und meist auch getextet hat.


Anläßlich seines 70. Geburtstages, im Jahr 1981, verlieh ihm der Stadtrat Treuchtlingen „im Hinblick auf den außergewöhnlichen und uneigennützigen Einsatz für die Allgemeinheit“ den Goldenen Ehrenring der Stadt.

 

 

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