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Thermenstadt im Naturpark Altmühltal

Aurnhammer-Sammlung / Posamentenmuseum

Als Posamenten werden Besatzartikel für Stoffe - wie zum Beispiel Borten, Spitzen und Applikationen - bezeichnet. Die Sammlung im Stadtschloss gibt Einblick in die Geschichte der Familie Aurnhammer, den Gründern der ersten Posamenten-Manufaktur in Treuchtlingen.

Gezeigt wird eine Vielzahl von Erzeugnissen aus der jahrhundertelangen Fabrikation (Bänder, Tressen, Uniformeffekte) sowie die Geschichte des Stadtschlosses.

 

Die Aurnhammer-Sammlung im Treuchtlinger Stadtschloss ist von

Montag bis Freitag von 09.00 Uhr bis 12.00 Uhr

geöffnet. Führungen, auch von Gruppen, sind nach Voranmeldung jederzeit möglich.

 

Adresse und Kontakt:

Aurnhammer-Sammlung im Stadtschloss Treuchtlingen
Heinrich-Aurnhammer-Str. 3
91757 Treuchtlingen
Telefon 09142/9600-60
Email: tourismus[at]treuchtlingen.de

 

 

Die Aurnhammer-Sammlung im Stadtschloss:

Aurnhammer Sammlung

Am 19. September 1798 ersteigerte Johann Caspar Aurnhammer von der Königlich preußisch-brandenburgischen Domänenkammer in Ansbach die noch bestehenden, jedoch einsturzgefährdeten Gebäude des Schlosses von Treuchtlingen. Der Südflügel war vor Jahren bereits abgetragen worden, der Nordbau eingestürzt, der vorhandene Altbau mit dem Toreingang waren dem Einsturz nahe. Bereits beim Kauf des Objekts war der Stammvater der Familie Aurnhammer entschlossen, diese noch stehenden, historischen Teile restaurieren zu lassen, um sie den kommenden Generationen zu erhalten.

 

Für sein 1774 gegründetes Leonisches Posamentenunternehmen in Treuchtlingen benötigte er dringend ein Haus und Grundstücke mit Möglichkeiten zur Erweiterung.

Durch diesen Umstand wurde der Stadt Treuchtlingen und seiner Bevölkerung das geschichtlich bedeutsame Schloss erhalten. Erst nach über 180 Jahren und in der sechsten Generation verkaufte die Erbengemeinschaft Aurnhammer im August 1979 das Schloss an die Stadt Treuchtlingen, um dessen weiteren Bestand zu sichern.

 

Schlossgeschichte

Der Familie und Firma Aurnhammer gingen drei Besitzer voraus. Aus dem Dunkel des frühen Mittelalters mit bruchstückhaften Dokumenten belegt die Zeit des Ritter- und Herrschergeschlechts von Treuchtlingen, "Middelburger" bezeichnet. Erstmals wird in einer Verkaufsurkunde durch den Ritter Ulrich V. im Jahre 1346 die "Niedere Veste" erwähnt, die neben einer "Oberen Veste", der heutige Burgruine auf dem Schlossberg, als Hochburg bestand.

 

1147 veräußerte Johann von Seckendorff das Treuchtlinger Schloss an die Marschälle von Pappenheim. Damit wurde Zweiglinie des alten Adelsgeschlechts "Pappenheim-Treuchtlingen" begründet. Sein bedeutendster Nachkommer wurde Gottfried-Heinrich von Pappenheim, im Volksmund "Schrammheinz" genannt. Im 30jährigen Krieg mit seiner Reitertruppe gelangte er zu hohen kaiserlichen Ehren und mit Schillers Drama "Wallensteins Tod" und dem Zitat Wallensteins "Daran erkenn ich meine Pappenheimer" erlangte er Weltruhm.

 

Genau nach 200 Jahren begann im Jahre 1647 eine dritte Zeitspanne für Treuchtlingen und sein Schloss. Nachdem der letzte Pappenheimer von Treuchtlingen, Wolfgang Adam, im Duell bei Prag gefallen war, kommt der hiesige Besitz an die Markgrafen von Brandenburg-Ansbach. Nach der Abdankung des letzten Markgrafen Alexander verpfändete 1791 dieser unsere Region an die Könige von Preußen. Mit dem Verfall und dem Kauf durch Johann Caspar Aurnhammer endete diese Epoche 1798 nach 151 Jahren.

 

 

 

Johann Caspar Aurnhammer (1749-1832)

Familiengeschichte

Im Jahre 1877 beschloss der Enkel des Frimengründers Adolf Friedrich, in Weißenburg einen Zweigbetrieb zu errichten. In diesem wurde die Produktion der Metallteile, die für die Leonischen Gespinste und Drähte notwendig waren, vorgesehen. Diese mussten bis dahin hinzugekauft werden. Von seinen drei Söhnen übertrug er dem zweiten Sohn Heinrich die Aufgabe, das Werk in Weißenburg aufzubauen. Heinrich Aurnhammer, Nachkomme der vierten Generation, schuf mit dem Weißenburger Werk die Grundlage für das heute bekannte und in alle Welt exportierende Draht- und Kabelwerk.

 

Die Glanzzeiten und Krisen über zwei Jahrhunderte bezeugen die eindrucksvollen Dokumente und Requisiten dieses bemerkenswerten Familienbetriebes.

 

Am 29. April 1924 konnte das beständige und erfolgreiche Unternehmen das 150jährige Geschäftsjubiläum begehen. Vor diesem großen Tag legte die gesamte Arbeiterschaft der Werke von Treuchtlingen und Weißenburg zusammen und ließ für ihren Chef ein Gemälde als dauerndes Andenken fertigen: In der Mitte ist eine symbolische Darstellung mit dem Schlosstor und dem Wappen der Familie Aurnhammer und im linken Feld wird der damals jungen Geschäftszweig des Drahtwerkes, mit einem Mann dargestellt. Eine weibliche Abbildung soll im rechten Feld die traditionelle Herstellung der Posamenten zum Ausdruck bringen.

 

Aus der Zeit der Zünfte im 18. Jahrhundert, dem Weberhandwerk, bis in unsere Tage der Computer und Automaten spannt sich ein kontinuierlicher Entwicklungsbogen. Durch eine Fusion 1973 entstand die heutige Firma Aurnhammer & Benedict. Viele Techniken, Erfindungen und Geschäftspraktiken der industriellen Entwicklung in den letzten zwei Jahrhunderten fanden bereits im vorigen Jahrhundert ihre Einführung und Anwendung, ob es sich dabei um die Leonische Branche, das Büro- und Vertreterwesen oder die Industrieausstellungen des vergangenen 19. Jahrhunderts bis zu den modernen Großmessen unserer Tage handelte.

 

Dem Ausstellungsbesucher werden sechs Generationen der männlichen Nachkommen bis heute vorgestellt. Jeder musste sich in seiner Zeit den geforderten Aufgaben stellen, um das Werk erfolgreich fortführen zu können. Mit ihrer Heirat in interessante Familien verließen die Töchter das Elternhaus, wobei die Verbindung zum Haus ihrer Väter weiter gepflegt und nicht abgebrochen wurde. Anekdoten, Erlebnisse, Höhepunkte und Tiefen in der Geschichte dieser Familie und Verwandtschaft, wie sie das wirkliche Leben geschrieben hat, wurden gesammelt. Sie sind in diesem Museum, ein solches besonderer Art, zusammengetragen und aufgezeigt.