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Thermenstadt im Naturpark Altmühltal

Hans Döbler

(22.02.1915 - 17.08.1999)

In seiner 28-jährigen Dienstzeit hat Bürgermeister Hans Döbler die Entwicklung Treuchtlingens zu einem modernen Gemeinwesen geprägt. Als der Zug der Eisenbahn für die Stadt abgefahren war, versuchte er, mit dem Konzept einer Betriebs-, Wohn- und Erholungsgemeinde den Anschluss an die Zukunft zu gewinnen. Mit der ihm eigenen Zähigkeit, Entschlussfreude und Beredsamkeit verfolgte er diese Ziel fast drei Jahrzehnte lang. Viele Wegbegleiter unterstützten ihn dabei.

Es begann am 1. Mai 1955. Der damalige Stadtkämmerer Döbler saß zusammen mit seiner Frau auf der "Ziegelhütte". Da traten einige Treuchtlinger SPD-Leute auf ihn zu und wollten ihn gewinnen, als Bürgermeister zu kandidieren, „Treuchtlingen braucht einen jungen Bürgermeister“, war ihr Argument. Die Entscheidung, dieses Angebot anzunehmen, fiel nicht leicht. Manches Gespräch - auch im Familienkreis - wurde geführt. Dann war der damals 41jährige bereit, die Herausforderung anzunehmen, sich für seine Heimatstadt zu engagieren.

Der zumindest aus der Sicht der beiden 72-jährigen Gegenkandidaten Fritz Korn (FDP) und Karl Lebenberger (CSU) junge Mann hatte schon eine Lebens- und Berufserfahrung hinter sich, die ihn die Verantwortung nicht scheuen ließ. Der Treuchtlinger Eisenbahnersohn wurde während der Ersten Weltkrieges geboren; seine Jugend war geprägt von der Not der Nachkriegszeit, später dann von Massenarbeitslosigkeit und Weltwirtschaftskrise. Die Hoffnungen des Dritten Reiches mündeten in Arbeitsdienst, Wehrpflicht und Kriegsdienst. Der Res.-Offizier Döbler entkam verwundet der Hölle von Stalingrad. Der Zusammenbruch Deutschlands war für die enttäuschte Generation schwer zu überwinden.

Nach dem Krieg fing der gelernte Sparkassenbeamte Hans Döbler dann klein im Treuchtlinger Rathaus an. Dabei gewann er einen Einblick in fast alle Sparten der damals noch recht unkompliziert aufgebauten Verwaltung. 1951 wurde er nach dem plötzlichen Tod des Stadtkämmerers Geuder dessen Nachfolger. Er erinnerte sich noch bei seiner Verabschiedung an die mühevolle Einarbeitungszeit und wie dornenvoll der Weg der Finanzierung der ersten Nachkriegsprojekte in der kriegszerstörten Stadt war.

Hans Döbler kannte sich aus im Treuchtlinger Rathaus und wusste Bescheid über die Probleme der Stadt, als er 1956 Wahl zum Bürgermeister kandidierte. In einer sachlichen Wahlflugschrift legte der junge Kandidat sein Programm vor. Das meiste davon gilt selbst heute noch: An erster Stelle stand die Sicherung und Schaffung von Arbeitsplätzen, dann folgten die Förderung des Wohnungsbaus, das Straßenbauprogramm, die Beseitigung der Schulraumnot, Freibad, Spiel- und Sportplätze, der Bau eines Altersheimes, die Verschönerung des Stadtbildes, der Ausbau des Fremdenverkehrs und manches andere.

Diese Zielsetzungen und ein sachlich geführter Wahlkampf kamen offensichtlich bei der Bevölkerung an. Am 18. März 1956 erhielt Hans Döbler 78 Prozent der Stimmen.

Dass auf die erste Wahl 28 Jahre Bürgermeisteramt folgen sollten, konnte damals wohl niemand vorausahnen. In den Nachbarstädten kamen und gingen die Bürgermeister, in Treuchtlingen blieb Hans Döbler am Ruder. Viermal wurde er eindeutig wiedergewählt, dreimal ohne, das letzte Mal mit einem Gegenkandidaten. Die Treuchtlinger - und mit ihnen auch die Bewohner der Ortsteile - wussten, was sie an "ihrem" Döbler hatten; auch wenn sie manchmal über ihn schimpften, weil er wieder etwas Neues anpackte.

Doch zurück zum Ausgangspunkt 1956. Eine der ersten Amtshandlungen des neuen Bürgermeisters war die Wiedereröffnung der im Krieg zerbombten "großen" Bahnunterführung bei der katholischen Kirche. Die Ausgangslage war denkbar schlecht. "Eigentlich ist das wirtschaftliche Fundament der Stadt schon schwer geschädigt worden, als man 1938 die Juden aus Treuchtlingen vertrieb", so Hans Döbler etwas nachdenklich. Dann kamen die verheerenden Bomben des Zweiten Weltkriegs. Kaum waren deren Spuren einigermaßen getilgt, wurden nach und nach die Arbeitsplätze bei der Eisenbahn abgebaut. Durch die - nicht immer unproblematische - Neuansiedlung von Industriebetrieben wurde dieser Arbeitsplatzverlust weitgehend ausgeglichen.

Dann kam die Landkreisreform. Treuchtlingen, bisher größte Stadt des Landkreises Weißenburg und von den früheren Landräten daher auch gut bedacht, war plötzlich die Nummer drei im Großlandkreis. Für Hans Döbler waren die Jahre nach der Kreisreform die schwerste Zeit seiner Bürgermeisterlaufbahn.

An andere Zeiten und Projekte erinnerte er sich lieber: Den Bau der Promenadenbrücke nannte er von allen Maßnahmen seiner Amtszeit als die hervorstehendeste, gerade weil er zunächst bei manchen Bürgern auf Unverständnis traf. Von den 1,1 Millionen Mark, die das Bauwerk 1966 kostete, hatte die Stadt nur 100 000 Mark zu tragen. Das war der Finanzierungsstil Hans Döblers: viele Pläne in der Schublade, die sich in sein Gesamtkonzept einordnen, und dann zupacken, wenn die Finanzierung günstig ist. Auch die Altstadtsanierung ist ein solches Beispiel seiner langfristig geplanten und dann schnell zugreifenden Handlungsweise. Oder die Grundstückspolitik, die der Stadt Entwicklungsmöglichkeiten gesichert hat. Im Rückblick beschreibt Hans Döbler seine Amtszeit als "sachbezogene Arbeit für den Bürger". Über Parteigrenzen hinweg hatte er immer ein gutes Verhältnis zu den Politikern aller Ebenen angestrebt. Hans Döbler erinnerte sich an die Besuche von Richard Stücklen zu dessen Zeit als Postminister der Adenauer-Regierung und später dann als Bundestagspräsident, an Gäste wie den Ministerpräsidenten Goppel, den Landtagspräsidenten Hanauer, an die heimischen Landtagsabgeordneten und Landräte, die durchwegs der anderen Parteifarbe angehörten. Sie kamen recht gut miteinander zurecht, und für Treuchtlingen sprang manches dabei heraus.

Der Führungsstil Hans Döblers war selbstbewusst; er gab sich energisch, manchmal auch grantig, wenn er nicht schnell genug verstanden wurde. Aber letztlich war er immer auf Ausgleich bedacht. Er liebte die Konfrontation nicht, aber er scheute sie auch nicht. Seiner bemerkenswerten Integrationsfähigkeit war es zu verdanken, dass sich der Stadtrat in allen Wahlperioden über Parteigrenzen hinweg zu einer gemeinsamen Arbeit für Treuchtlingen zusammengefunden hat. Die Begeisterungsfähigkeit Hans Döblers für die Treuchtlinger Sache war ansteckend.

Anlässlich seines 70. Geburtstages ernannte ihn der Stadtrat am 22. Februar 1985 zum Ehrenbürger der Stadt Treuchtlingen. Nach seinem Tod 1999 wurde die Promenade in Bürgermeister-Döbler-Allee umbenannt.

Quelle: Treuchtlinger Heimatbuch

 

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