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Thermenstadt im Naturpark Altmühltal

Julius Kelber

(18.02.1900 - 27.03.1987)

Im Pfarrhaus von Aufseß erblickte er am 18. Februar 1900 das Licht der Welt. Kindheit und Schullaufbahn schloss er mit dem Abitur am Melanchthon-Gymnasium in Nürnberg ab.


Im November musste er dann an die Westfront ziehen. Nach Kriegsschluß ergriff er das Studium der Theologie (Erlangen und Leipzig) und nahm 1922 als Jugendpfarrer in Bayreuth seine erste seelsorgerische Tätigkeit auf.


Von 1924 bis 1933 war er im Landesverband der Inneren Mission als Zweiter Pfarrer tätig und gleichzeitig Hausgeistlicher des Juliusspitals.


Über die Pfarrstellen von Krögelstein und Ulsenheim kam er am 10. Mai 1939 nach Treuchtlingen. Seine religiöse Einstellung und berufliche Hingabe brachten ihn bald in konflikt mit der Kreisleitung der NSDAP. 1940 wurde ihm die Ausübung des Religionsunterrichts an den Treuchtlinger Schulen verboten. Seine weitverbreitete „Stalingradpredigt“ nahm die Gestapo zum Anlass, ihn am 16. Mai 1944 „für immer“ aus Treuchtlingen auszuweisen. Vorübergehend im Warthegau bei den dorthin umgesiedelten Wolhyniendeutschen tätig, wurde er schließlich von seiner Kirchenbehörde in die verwaiste Gemeinde Plech beordert, wo er unter Polizeiaufsicht stand, während seine Frau in Treuchtlingen blieb.


Mit dem Einzug der Amerikaner am 24. April 1945 in Treuchtlingen war für den standhaften Pfarrer das „Exil für immer“ zu Ende. Sofort machte er sich an den Wiederaufbau. Als politisch und religiös Verfolgter hatte er Zutritt zur amerikanischen Militärregierung und zu den Behörden und begann eine umfangreiche Bautätigkeit. Die Kriegsschäden an Kirche, Pfarrhaus und Vereinshaus wurden zum Teil mit eigenem körperlichen Einsatz beseitigt und das Evangelische Siedlungswerk in Treuchtlingen gegründet. Dieses errichtete allein von 1950 bis 1960 65 Wohnungen in 17 neu gebauten Häusern. In der Bahnhofsmission wurden 1945 bis 1950 Heimkehrer und Flüchtlingstransporte mit 150 000 Menschen betreut.


Am 18. April 1946 wurde eine Versehrtenwerkstätte mit Filialen in Pappenheim, Solnhofen und Langenaltheim eingerichtet und am 31. Oktober 1954 die „Stadtmission Treuchtlingen“ gegründet. Pfarrer Kelber vernachlässigte trotz dieser selbst auferlegten Aufgaben aber in keiner Weise seine seelsorgerische Tätigkeit, im Gegenteil:


Als erstes Druck-Erzeugnis durfte er unter amerikanischer Lizenz 1946 die „Kirchlichen Nachrichten“ monatlich erscheinen lassen. Am 28. Juli 1963 das evangelische Gemeindehaus am Patrich eingeweiht. Seine besondere Fürsorge galt den Heimatvertriebenen, Auslandsdeutschen und Flüchtlingen. Neben der eigenen Gemeinde betreute er freiwillig die Gehörlosengemeinde zwischen Ingolstadt und Ansbach 25 Jahre lang mit regelmäßigen Gottesdiensten, Trauungen, Taufen und Beerdigungen. Es ist erstaunlich und fast unbegreiflich, woher Pfarrer Kelber die Zeit und Kraft nahm, in einer solchen Weise zu wirken. Mit besonderer Freude erfüllte es ihn daher, daß ihm der Stadtrat von Treuchtlingen am 14. Mai 1965 das Ehrenbürgerrecht verlieh und ein Jahr später Regierungspräsident Burkhardt ihn mit dem Bundesverdienstkreuz 1. Klasse auszeichnete.


Ehrenbürger Pfarrer Julius Kelber lebte seit dem 15. Juni 1965 in Nürnberg und verstarb am 27. März 1987. Es verging jedoch kein besonderes Ereignis in Treuchtlingen, an dem er nicht persönlich Anteil nahm.



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