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Thermenstadt im Naturpark Altmühltal

Johann Ott

(22.10.1879 - 22.01.1968)

Johann Ott wurde am 22. Oktober 1879 in Windsbach geboren. Nach Schul- und Lehrzeit trat er als 23-jähriger in den Dienst der Eisenbahn und war dort Mitgründer einer Baugenossenschaft für das Verkehrspersonal. Nach seiner Versetzung nach Treuchtlingen 1911 gründete er die hiesige Baugenossenschaft.


Im Ersten Weltkrieg wurde er als Feldeisenbahner in Rumänien eingesetzt. Glücklich heimgekehrt zog er als SPD-Mitglied in den Stadtrat ein und war hier Fraktionsführer bis zur Machtergreifung der Nazis. Nebenbei gründete er den hiesigen Verein „Eigenheim“, der allein bis zur Weltwirtschaftskrise 23 Häuser errichtete.


Auch die neuen Machthaber flößten ihn keine Furcht ein. Noch am 28. März 1933 sprach er im Rathaus die mannhaften Worte: „Wir Sozialdemokraten haben unter der kaiserlichen Regierung unsere Pflicht dem Staat gegenüber erfüllt und werden dies auch unter der jetzigen Regierung tun.“ Dieser aufrechte Treuchtlinger Bürger wurde aus dem öffentlichen Leben verbannt und „dienstlich strafversetzt“. Beim Zusammenbruch trat der Oberlokführer mit 66 Jahren in den Ruhestand. Die gewonnene Freizeit schenkte er seinen Mitmenschen: Er widmete seine ganze Kraft der Beseitigung der Wohnungsnot und dem Wiederaufbau. Dank seiner Mitarbeit konnte das Evangelische Siedlungswerk nach 1945 allein 45 Wohnungen bauen.


Die Mitbürger erkannten, was sie an dem inzwischen 70-jährigen hatten, und beriefen ihn abermals in den Stadtrat (1953 - 1960) und in den Kreistag (1952 – 1956).


Am 24. Februar 1958 heftete ihm Landrat Dr. Staudinger das Bundesverdienstkreuz an das Revers und überreichte dem fast 80-jährigen die Ehrenurkunde mit der Dankadresse des Landkreises.

Lange Zeit vorher hatten ihn seine beiden liebsten Vereine, „Naturfreunde“ und „Alpenverein“, deren Mitgründer er war, zu ihrem Ehrenmitglied gemacht.


Einstimmig beschloss der Stadtrat am 29. April 1965, ihn zum Ehrenbürger von Treuchtlingen zu ernennen.


Am 22. Januar 1968 wurde der Ehrenbürger Johann Ott zu Grabe getragen. Er war nur ein einfacher, bescheidener Eisenbahner, aber ein Mann, der nie an sich dachte, sondern nur bemüht war, die Not seiner Mitmenschen zu sehen und zu lindern.


Spätere Geschlechter werden an ihn erinnert, wenn sie den Johann-Ott-Weg gehen, der durch eine der schönsten Wohngegenden Treuchtlingens führt, nahe am Wald vorbei, den er so sehr geliebt hat.

 

 

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