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Thermenstadt im Naturpark Altmühltal

Johann Lindner

(28.02.1873 - 16.02.1952)

Johann Lindner wurde am 28. Februar 1873 als Sohn eines Hauptmanns in der damaligen Festung Ingolstadt geboren. Nach Beendigung der Schullaufbahn, in der auch ein Semester am Polytechnikum enthalten war, begann er als „Diätar“ den Dienst bei der Eisenbahn in Laaber.

 

Am 1. November 1917 kam er als Bahnverwalter nach Treuchtlingen. Die Erfahrung für die neue Stelle, deren Zugverkehr sich durch die Kriegstransporte verdreifacht hatte, hatte er unter anderem auf den Bahnhöfen in Regensburg und Passau erworben. Mit peinlichster Gewissenhaftigkeit erfüllte Lindner die Aufgaben als Fahrdienstleiter im Tag- und Nachtdienst und wurde deshalb sogar mit dem König–Ludwig–Orden ausgezeichnet. Allerdings ruinierte er dabei seine Gesundheit. Zwar konnte er noch am 16. April 1931 sein 40-jähriges Eisenbahner-Dienstjubiläum begehen, aber schon im Jahr darauf erfolgte für den Oberinspektor die Versetzung in den Ruhestand. Der erst 58jährige litt an schweren Nervenstörungen und chronischer Schlaflosigkeit.


Angeregt durch den damaligen evangelischen Pfarrer Bauernfeind, widmete er seit seiner Versetzung nach Treuchtlingen seine ganze Freizeit der Erforschung der Treuchtlinger Geschichte. Bald war er in den Archiven von Nürnberg bis Bamberg, von Neuburg bis München eine bekannte Persönlichkeit. Mit Schreibzeug und Kamera durchstreifte er die Stadt und ihre weitere Umgebung und verstand es, in zahlreichen Lichtbildervorträgen die Zuhörer zu packen. Die wissenschaftlichen Ergebnisse seiner Forschungen erschienen nicht nur als volkstümliche Artikel in den Zeitungen, sondern auch als begehrte Beiträge in den einschlägigen Fachzeitschriften des ganzen deutschsprachigen Raumes.


Ein Jahr vor seinem Tod erlebte er eine doppelte Ehrung: Zum einen gelang es ihm, die Ergebnisse seiner Lebensarbeit in Form des Büchleins „Treuchtlingen in der Vergangenheit“ herauszubringen, welches sofort von den wissenschaftlichen Bibliotheken erworben wurde, zum anderen ernannte ihn der Stadtrat von Treuchtlingen einstimmig zum Ehrenbürger. Am 16. Februar 1952 schloss der zuletzt fast erblindete Mann für immer die Augen.


Es ist ein eigenartiger Zufall, dass der einzige Sohn eines so großen Heimatforschers nicht in der Heimat, sondern in Südamerika seine Zukunft aufbaute. Die wenigsten Treuchtlinger aber wissen, woher die Johann-Lindner-Straße ihren Namen hat.

 

 

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